1945 NS-Zwangslager in Berlin

Zu ende, aber nicht vorbei

Catherine Gros berichtet vom Leben mit ihrem Vater nach der Befreiung

Georges Gros

Georges Gros wird 1920 in St. Etienne du Bois in Frankreich, nicht weit der Schweizer Grenze, geboren. Nach einer Anordnung der örtlichen Präfektur muss er 1943 im Alter von 23 Jahren seinen Dienst als Zwangsarbeiter im Rahmen des Service du Travail Obligatoire („Pflichtarbeitsdienst“) antreten. Georges wird nach Berlin geschickt wo er als Hilfselektriker bei der Askania Werke AG Zwangsarbeit leistet. In seinen Briefen berichtet Georges Gros von den alltäglichen Entbehrungen: So verliert er bei einem Brand in einem Lager in Friedenau seinen gesamten mitgebrachten Besitz oder muss bei seiner Unterbringung in Weißensee in Betten ohne Decke schlafen.

Im August 1944 wird Georges nach Helmstedt-Beendorf transportiert und zur Arbeit in der Produktion der Askania Werke AG, in einen ehemaligen Salzstock des örtlichen Bergwerkes eingesetzt. Dort müssen auch 2500 weibliche und 750 männliche KZ-Häftlinge aus Ravensbrück und Neuengamme Zwangsarbeit leisten. Untergracht sind sie im KZ Außenlager Beendorf. Hier lernt Georges die junge Romni Sonia kennen. Nach der Befreiung verlieren sich Georges und Sonia aus den Augen. Über Sonias weiteres Schicksal ist nichts bekannt.

Im Sommer 1945 kehrt Georges Gros nach St. Etienne zurück. Wenig später stellt er den deutschen Kriegsgefangenen Jakob Peters als Elektriker in seiner Firma ein. Die beiden verbindet eine lebenslange Freundschaft. Im Rahmen von Städtepartnerschaften engagiert sich Georges nach dem Krieg viele Jahre für die deutsch-französische Freundschaft, bevor er 2003 verstirbt.

2005 findet Catherine Gros in einem Holzschuppen die Briefe ihres Vaters an die Familie sowie einen Brief von Sonia an Georges Gros.